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18.5.2012 : 6:47 : +0200

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Aus dem Inhalt:

500.000 Autogasfahrer in Deutschland:
Übergabe mit Hessens Minister Boris Rhein

Rücksicht statt leidiger Parkrempler:
Rückfahrkamera mit Autogasanlage nachrüsten

Die Fußball-EM in Polen und der Ukraine:
Gasfahrer gewinnen schon bei der Anreise

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16.01.2012 20:43 Uhr Von Wolfgang Kröger

Großes Marktpotenzial für Diesel-Autogas-Kleintransporter

Der Dieselmischbetrieb für LKW, also schwere Nutzfahrzeuge, scheint vor dem Durchbruch zu stehen. Egal, ob Autogas oder Erdgas: Mehrere Anbieter sind derzeit dabei, Systeme zu entwickeln, die teuren Diesel durch günstigeres Gas ersetzen. Dass sich dieser Trend über kurz oder lang nicht nur auf schwere Nutzfahrzeuge beschränkt, sondern auch auf die so beliebten Kleintransporter übergreift, ist eine logische Folge des stetig steigenden Dieselpreises. Mittlerweile gibt es europaweit mehr als eine Hand voll Anbieter, die auch für die schnellen Kurier- und Paketdienste Lösungen parat haben, um die Treibstoffkosten ihres Fuhrparks entscheidend zu senken.

Außerdem dürfte der Bestand an Kleintransportern schon bald den Lkw-Bestand fast erreicht haben. Federführend in Deutschland ist derzeit ecoengines-Gesellschafter Enrico Marra, der zusammen mit dem belgischen Steuergeräte-Spezialisten Christian Schumacher von t-ec2 aus Stavelot ein System entwickelt hat, das nach eigenen Angaben bis zu 20 % an Kraftstoffkosten einsparen soll, indem Teile des Dieselkraftstoffs schlichtweg durch Autogas ersetzt werden. Ebenso wie Enrico Marra ist Christian Schumacher in der Automobilbranche kein Unbekannter, er machte sich einen Namen als Rennfahrer im GT-Sport, später als Entwickler und Konstrukteur von Rennfahrzeugen und als Software-Spezialist.

Seit mehr als zwei Jahren arbeiten die beiden Experten jetzt an dem System, bis es letztlich fertiggestellt wurde. Enrico Marra brachte seine Erfahrungen aus dem Sektor Autogas ein, die Firma t-ec2 gilt als Spezialist für Steuergeräte. Sie entwickelte unter anderem ein Kit, das geeignet ist, Fahrzeuge mit Bioethanol zu betreiben. Dieses Zusatz-Steuergerät wird in vielen europäischen Ländern erfolgreich vertrieben und zählt bei Insidern zu den Lösungen, die im Ethanolbetrieb wirklich funktionieren.

Die Herausforderung bei den Transportern war jedoch größer. Ersetzt man nur Diesel durch Gas, erzielt man eine erhebliche Leistungssteigerung über den gesamten Drehzahlbereich, die für den Fahrer jedoch nur ein kurzfristiger Quell der Freude ist. Derart „frisierte“ Transporter erreichen zwar ungeahnte Geschwindigkeiten und machen auch vor keinem Berg schlapp, ganz im Gegensatz zu deren Motoren, die für diese Leistungssteigerung nicht ausgelegt sind. Kapitale Motorschäden waren die Folge. Deshalb galt es, die Dieselmenge entsprechend stärker zu reduzieren.

Für die genaue Dosierung der Kraftstoffmengen zeichnet erstmals ein Steuergerät verantwortlich, das softwareseitig von t-ec2 an die Erfordernisse des Mischbetriebs entsprechend angepasst wurde. Allein die Forschung, Programmierung und Erprobung bis zur Fertigstellung nahm schon mehr als zwei Jahre in Anspruch. Bei den weiteren Teilen greifen die Entwickler auf Komponenten zurück, die der italienische Hersteller für Gasanlagen, Lovato, liefert.

Enrico Marra: „Alle verwendeten Teile sind nach R 67.01 zertifiziert und für das Steuergerät liegt mittlerweile die elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung vor. Auch die entsprechenden Abgasmessungen absolvierte unsere Anlage bereits mit Erfolg, sodass wir in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten zu befürchten haben. Sämtliche Abgaswerte im Mischbetrieb blieben unter den Werten im reinen Dieselbetrieb.“

Richtig spannend wird es jedoch, wenn die ersten Fahrzeuge umgerüstet werden und im Alltagsbetrieb ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen müssen. Mitte Dezember soll der Startschuss erfolgen. Enrico Marra weiter: „In Belgien hat ein Fahrzeug bereits gut 40.000 Kilometer mit solch einer Anlage zurückgelegt, motorseitig gab es überhaupt keine Probleme.“ Unterwegs damit ist meist Christian Schumacher, Softwareentwickler und Partner von Enrico Marra. Doch der Startschuss wird sicherlich nicht in Deutschland fallen, da derzeit noch einige rechtliche Fragen hinsichtlich des Mischbetriebs geklärt werden müssen. „In anderen Ländern, selbst in Belgien oder Österreich kennen wir diese Probleme nicht.“ Bis Anfang März 2012 soll jedoch auch die Hürde der deutschen Behörden erfolgreich genommen sein.

Was die Vermarktung angeht, hat Vertriebsprofi Marra bereits fest umrissene Pläne: In Deutschland soll selbstverständlich ecoengines, deren Teilhaber Marra ist, die Vertriebsrechte bekommen, für andere Länder werden derzeit noch teilweise Vertriebspartner gesucht. Inklusive Einbau soll solch eine Anlage nach derzeitigem Stand der Planungen 2.900 Euro zzgl. Mwst. kosten. Bei einem Einsparpotenzial, das in Abhängigkeit der Preise für Benzin und Diesel bei mindestens 3,50 Euro pro 100 Kilometer liegt, hätte sich der Einbau nach gut 80.000 Kilometern amortisiert. Im Visier hat man dabei in erster Linie die Fahrzeugflotten der Kurier- und Paketdienste sowie anderer Transportdienstleister. Dabei sollen die Gasanlagen für die Dieselmotoren entsprechend vorkonfektioniert werden. Enrico Marra: „Für den Einbau rechnen wir einen Zeitaufwand von ungefähr fünf Stunden, geübte Monteure schaffen es sicher schneller.“

Damit schlägt man für die Branche der so genannten KEP-Dienstleister (Kurier-, Express-, Paketdienstleister) ein neues Kapitel auf. Nach PKW und LKW sind nun die Kleintransporter am Zuge, die mit Gas und trotz Diesel kostengünstiger und umweltfreundlicher unterwegs sein können. Ein entsprechender Bedarf ist da, die Transportunternehmer, die mit jedem Cent kalkulieren, suchen händeringend nach Lösungen, die ständig steigenden Kosten für Treibstoff zu begrenzen. Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass diese Entwicklung weiter geht. Ein guter Anfang ist gemacht.

16.01.2012 20:43 Uhr Von Wolfgang Kröger
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